Das 1x1 des Wachsens

Pflanzen brauchen Nahrung

Ganz bewusst, aus Sorge um den Boden, verzichte ich nicht auf zusätzlichen Dünger, neben meinen eigenen Hofdüngern Gülle und Mist.


Wenn ich ein Weizenkorn in den Boden drücke und möchte, dass es wächst, benötigt dieses Korn Nahrung.

Je nach dem was es zum Wachsen benötigt, entzieht es dem Boden Stickstoff, Phosphor, Magnesium, Eisen, Mangan, etc.

Da ich später das Korn zur Ernährung meiner Tiere oder den Menschen, dem Boden wegnehme, gelangen diese Nährstoffe, die das Korn dem Boden entzogen hat, nicht mehr zurück in den Boden. Somit ist es meine Aufgabe dem Boden möglichst genau die Nährstoffe zurückzugeben, welche die Pflanze ihm entzogen hat. Nicht jede Pflanze hat dieselben Bedürfnisse.

Daher genügt es nicht, wenn ich einfach meinen vorhanden Hofdünger auf den Feldern verteile, denn so wäre es mir unmöglich, die Nährstoffe im richtigen Verhältnis zurück in den Boden zu bringen.

Daher setze ich ergänzend zu den Hofdüngern weitere Handelsdünger ein, und gebe so dem Boden genau das zurück, was ich ihm auch genommen habe.


Pflanzen brauchen Schutz

Ebenfalls ganz bewusst verzichte ich nicht auf den Einsatz von Spritzmitteln. 


Die Aufgabe der Landwirtschaft ist es, die Bevölkerung zu ernähren.

Täglich sterben ca. 25'000 Menschen an Hunger.


Natürlich muss man dem Boden sorge tragen und darf ihn nicht vergiften, denn wenn am Ende nichts mehr wächst, dann sterben noch mehr Menschen wegen fehlenden Nahrungsmitteln.

In der Schweizer Landwirtschaft haben wir mit der ÖLN-Landwirtschaft, in meinen Augen, den goldenen Mittelweg zwischen konventioneller Landwirtschaft und dem Biolandbau gefunden.


Bei der ÖLN-Produktion wird nicht alles Unkraut abgespritzt, sondern man will eine sogenannte Schadschwelle erreichen, bei der die Nützlinge, wie zum Beispiel Marienkäfer, überleben und ihren Beitrag zur Schädlingsregulierung beitragen. Dies spart uns Kosten in Form von Spritzmittel ohne dass dabei der Ertrag stark zurückgeht. Zu früheren Zeiten kannte man das sensible Zusammenspiel zwischen Nützlingen und Schädlingen noch zu wenig, und es wurde gespritzt was das Zeug hielt. Ziel war ein möglichst sauberes Feld. Aus Protest gegen diese Bewirtschaftung ist der Biolandbau (das andere Extrem) entstanden.


Raps versus Weizen

Anders als im Weizen ist eine Extensoproduktion (siehe Extenso) beim Rapsanbau nicht möglich. Zum Beispiel der Rapsglanzkäfer fliegt von ausserhalb ein, ohne ein Insektizid zu spritzen, würde der ganze Ertrag vernichtet. Im Biolandbau wo Insektizide verboten sind, werden jährlich mehr als die Hälfte der gesäten Rapsflächen ohne eine Ernte wieder umgepflügt. Die ganze Arbeit und Energie war dann jeweils umsonst.

 


Natürliche Spritzmittel - oftmals gefährlicher als Künstliche

Im Bio-Rebbau ist Kupfer ein weit verbreitetes Spritzmittel. Mein Vater hat schon vor 20 Jahren die Kupferspritzung gegen Mehltau auf ein Minimum reduziert und alternative Spritzmittel eingesetzt, die weniger gefährlich sind. Denn Kupfer baut sich nur sehr schlecht ab und schädigt den Boden dauerhaft. 

Da die Wirkung zudem zu wenig spezifisch ist, muss man beim Verzicht auf chemische Spritzmittel, im biologischen Anbau, pro Jahr 15-25 Spritzungen machen, während in der ÖLN-Landwirtschaft nur 3-8 Spritzungen nötig sind.

Da stellt sich mir schon die Frage was wohl gesünder ist: die 3-fache Menge Diesel, die Umwelt und Nahrungsmittel belastet, oder ein Spritzmittel, das nur eine gezielte Wirkung auf eine Krankheit hat, und unter Garantie längst abgebaut ist, wenn die Trauben geerntet werden.

 


Die Frage des Treibstoffverbrauchs

Alternativ zum Spritzen gibt es im Ackerbau auch die mechanische Unkrautregulierung mittels Striegel. Allerdings ist der Effekt um ein vielfaches kleiner als mit Pflanzenschutzmitteln, so dass ich mit dem Ackerstriegel 3-5 mal mehr fahren muss.

So kann man sich nun streiten, was gesünder ist: die Luft und die Ozonschicht mit einem Vielfachen an Abgasen zu schädigen, oder aber ein Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Klimaschutz lässt grüssen.

 


Wenn wir es uns leisten, keine Spritzmittel einzusetzen, sind nicht wir es, die Verhungern, denn wir haben genügend Geld, die Nahrungsmittel, die wir benötigen, aus ärmeren Ländern zu importieren. Es sind die Kinder aus Südamerika, Asien, Afrika, ... die sich am Ende das Essen nicht mehr leisten können und verhungern.


Zurzeit werden jährlich 40% der Schweizer Nahrungsmittel importiert.